Der Blechmann hat ausgedient. Oktopus gesucht.
Eine gewagte Aussage?
Vielleicht.
Im Buch «The Octopus Organization» beschreiben die Autoren zwei grundlegend unterschiedliche Arten, wie Organisationen mit ihrer Umwelt umgehen.
Die Blechmann-Organisation ist inspiriert vom Blechmann aus dem Zauberer von Oz. Diese Unternehmen sind starr, ungelenk, reagieren langsam und behandeln die Welt, als sei sie lediglich «kompliziert» und damit linear steuerbar. Sie versuchen, Wandel durch massive, top-down verordnete Transformationsprogramme zu erzwingen, was nicht selten in zusätzlicher Bürokratie endet.
Demgegenüber steht die Oktopus-Organisation.
Ein Oktopus begreift die Welt als ein komplexes, lebendiges System. Er zeichnet sich durch extrem hohe Anpassungsfähigkeit, Resilienz und Neugier aus. Das Besondere: Die acht Arme des Oktopus arbeiten zwar harmonisch zusammen, aber jeder Arm verfügt über eigene neuronale Kapazitäten und kann unabhängig denken und entscheiden.
Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr frage ich mich, ob diese Metapher nicht auch auf Führungskräfte zutrifft.
Viele Führungskräfte wurden dafür belohnt, wie ein Blechmann zu führen:
– Entscheidungen treffen.
– Kontrolle behalten.
– Risiken minimieren.
– Antworten liefern.
Doch was passiert, wenn die Welt nicht mehr kompliziert, sondern komplex wird?
Wenn sich Rahmenbedingungen laufend verändern?
Wenn Wissen nicht an einem Ort konzentriert ist, sondern über die gesamte Organisation verteilt?
Vielleicht besteht die Aufgabe moderner Führung dann nicht mehr darin, alles selbst zu entscheiden.
Sondern ein Umfeld zu schaffen, in dem viele Menschen eigenständig gute Entscheidungen treffen können.
Nicht weil Führung an Bedeutung verliert.
Sondern weil Komplexität nach mehr Intelligenz verlangt, als eine einzelne Person jemals besitzen kann.
Der Blechmann hat ausgedient.
Oktopus gesucht.